Angereist als
Titelverteidiger, fliegen Rollstuhl-Rugbyspieler aus Irland als Sechstplatzierte nach
Hause. Doch nicht das Team von der grünen Insel hat sich verschlechtert. Der Schwabencup
in Söflingen hat vielmehr gezeigt, dass das Niveau hierzulande immer höher wird.
TINA ZANDER
Seine Beine sind nur noch Stümpfe, der linke Arm hört
dort auf, wo eigentlich der Ellenbogen ist. Doch Salih Köseoglou nimmt seinem Gegner den
Ball ab, dreht im Rolli Pirouetten und fährt in einem Mordstempo den Ball über den
Zielstrich. Die Rollstuhl-Rugbyspieler der Ulmer Donauhaie haben im Finale des 4.
Internationalen Schwabencups mit dem torgefährlichsten Mann der Heidelberg Lions ihre
liebe Mühe.
Köseoglou wird von einem Gegner gerammt, sein Rollstuhl kippt
um, er liegt am Boden. Köseoglou kommt allein wieder auf die Räder. Ein Zuschauer meint:
"Das schafft sonst kein Rollifahrer."
Doch ein Topspieler allein reicht nicht. Durch ihre bessere
Mannschaftsleistung konnten die Ulmer Donauhaie mit Wolfgang Mayer, Reiner Schneider,
Heribert Grimm, Andreas Bürgermeister und Antje Funk den Finalkrimi für sich
entscheiden. 24:24 stand es noch zu Beginn des letzten Viertels, doch dann ging den
Heidelberger Champions-League-Spielern die Luft aus.
Sechs Punkte brummten die Bundesligisten der TSG Söflingen in
den letzten acht Minuten ihrem Gegner noch auf. Damit haben die Haie erstmals in vier
Jahren den eigenen Schwabencup gewonnen.
Die Titelverteidiger durften beim Finale nur staunend zuschauen.
Die Gaelic Warriors aus IrIand waren als Favorit gekommen und treten heute als
Sechstplatzierter unter acht Mannschaften die Heimreise an. Doch von Depression ist bei
den Männern von der grünen Insel nichts zu spüren: "Nicht wir sind schlechter
geworden, sondern das Niveau der deutschen Teams ist wahnsinnig gestiegen", meint
Micheal oFlatharta.
Mit der Fähre zum Spiel
Mit sieben Aktiven ist quasi die irische Nationalmannschaft
angereist. "Es gibt nur zehn Spieler im Land", erklärt oFlatharta. Die Ulmer
traten beim Cup mit mehr Spielern an als es in ganz Irland gibt. Deshalb spielen die Iren
in der britischen Liga - hunderte Kilometer Anreise und Fährüberfahrt inklusive.
In Deutschland findet der Sport hingegen immer mehr Zuspruch.
Haie-Trainer Schneider schätzt die Spielerzahl auf 300. Champions League, Bundesliga,
Zweite Liga und Basis-Liga - jüngst ist noch eine Klasse für Rollifahrer entstanden, die
stark in ihrer Handfunktion behindert sind. In Söflingen haben rund 60 Rolli-Fahrer um
Punkte gekämpft. "Vielleicht", hofft der Ire, "zieht ja jemand mit auf
unsere Insel." |